Die Chronik des Kindergartens am Lindenhof
Beim Spaziergang im Spätsommer 1986 im Baunataler Stadtpark haben zwei Familien eine Idee: „Wir brauchen für unsere Kinder Alternativen zu den bestehenden Kindergarten-Einrichtungen!“ Über Winter reift die Idee zu einem festen Vorhaben, einen Kindergarten zu gründen, der Gottes Wort als Grundlage hat und in dem die Kinder Gott praktisch im Alltag erleben können. Auch bei anderen Eltern findet diese Idee Zustimmung und Unterstützung. Und nach einigen Beratungen und Sitzungen in Altenritte, wie ein Christlicher Kindergarten realisiert werden kann, wird am 2.März 1987 von 12 Baunataler Familien der Verein „Christliche Pädagogische Aktion e.V. (CPA)“ gegründet. Noch im Oktober desselben Jahres wird in einem ehemaligen Schreibwarenladen in Altenritte ein Spielkreis eingerichtet, in dem sich 9 Kinder zweimal in der Woche treffen. Dann beginnt der „Behördenkrieg“, um durch Umbauten und das Einrichten von Sanitäranlagen entsprechende Voraussetzungen für einen Kindergarten zu schaffen. Nachdem im November 1988 der Regierungspräsident befristet auf drei Jahre zustimmt, erteilt vier Monate später auch der Landkreis die Baugenehmigung.
Nach Fertigstellung der Arbeiten und Besichtigung der Räume durch das Bauamt, Gesundheitsamt, Kreis- und Landesjugendamt erfolgt die Genehmigung zum Betreiben eines Kindergartens mit 12 Plätzen in dem ehemaligen Laden Friedhofstraße 16 in Altenritte. Aus einer spontanen Idee beim Spaziergang hatte unser wunderbarer Gott einen Kin-dergarten entstehen lassen, der mit wenigen Zuschüssen täglich von 08:00 – 12:00 Uhr den Eltern die Möglichkeit bot, ihre Kinder in einem christlichen Umfeld betreuen zu lassen. Schon zwei Jahre später, im November 1990, wird die CPA als „Kindergarten mit Ein-zelintegration“ (für behinderte bzw. von Behinderung bedrohte Kinder) anerkannt und eine zweite Erzieherin wird eingestellt. Wenn neben einer christlichen Betreuung auch noch eine hervorragende pädagogische Arbeit an den Kindern praktiziert wird, spricht sich das schnell herum und schon rei-chen die Räumlichkeiten für die vielen Anfragen von Eltern nicht mehr aus. Der Kindergarten muss umziehen und es werden mehrere geeignete Objekte in Augenschein genommen. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Kassel- Oberzwehren bietet das Untergeschoss des Jugendheimes an und das Landesjugendamt erteilt die Genehmigung zum Betrieb eines Kindergartens mit 18 Plätzen dort. Entsprechende bauliche Maßnahmen, wie Sanitäreinrichtungen und kindgerechte Räume wurden durch Vereins- und Elternarbeit durchgeführt. In diesen Zeiten der gemeinsamen praktischen Arbeit entstanden sehr enge Bindungen der Eltern an den Kindergarten und ein sehr intensiver Kontakt untereinander. So konnte schon im Januar 1992 der Umzug der Kindergruppe nach Oberzwehren ins Jugendheim stattfinden. Neben der örtlichen Veränderung wuchs auch die Zahl der Einzelintegrationsplätze auf zwei an und die Öffnungszeiten wurden um eine Stunde, von 08:00 – 13:00 Uhr täglich erweitert. Auch konnte ab diesem Zeitpunkt ein Teil der ehrenamtlichen Tätigkeit entgolten werden. Man hatte es sich noch nicht richtig eingerichtet als der Verein darüber informiert wird, dass die Gemeinde das Jugendheim verkaufen will. Allerdings ist neben dem ge-planten neuen Gemeindehaus ein Anbau vorgesehen, in dem der Kindergarten untergebracht werden kann, eventuell sogar mit Platz für eine zweite Gruppe. Der Verein beschließt, im Falle des Verkaufs des Jugendheims mit der Kindergruppe in den Neubau am Lindenhof umzuziehen. Nicht nur umzugstechnisch ist einiges in Bewegung, auch in Zusammenarbeit mit der Berufsschule in Oberzwehren wird der Unterricht für die Kinderpflegerinnen im Fach Bewegungserziehung mit den Kindern unseres Kindergartens durchgeführt und der Kindergarten integriert sich im sozialen Umfeld des Stadttei ls. Mit sieben verbliebenen Kindern zieht die Gruppe vorläufig in das Gemeindehaus am Lindenhof und wartet sehnsüchtig auf die Fertigstellung der Gruppenräume im Untergeschoss. Auch hier halfen die Eltern tatkräftig bei der Fertigstellung der Räume mit. Alle neuen Kinder und deren Eltern warteten sehnsüchtig auf die Eröffnung des Kindergartens. Die spannende Frage war: Würden alle gemeldeten Kinder auch kommen oder hatten sie sich anderweitig orientiert? Aber Gott tat Wunder und stellt sich zu seinem Kindergarten-Vorhaben, so dass sich im September 1994 der Verein für die Einrichtung einer zweiten Gruppe im Obergeschoss entschied. Weil die Nachfrage so groß war, dass nicht alle aufgenommen werden konnten; und das nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Auch die Gemeinde stimmt den Wünschen zu.
Nach einigen hundert Stunden Arbeitszeit in Eigenleistung und den üblichen amtlichen Besicht igungen erteilt das Landesjugendamt die Genehmigung für eine Gruppe mit max. 20 Kindern im Untergeschoss. Der Kindergarten beginnt mit einer Gruppe im November 1994 die Arbeit am Lindenhof. Auch der Verein wächst und setzt sich nun aus Mitgliedern der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden Baunatal, Oberzwehren und Kassel-West sowie der Thomask irc
he in Oberzwehren zusammen. Da die Nachfrage nach Halbtagsplätzen im Kindergarten so groß ist, erteilt das Landesjugendamt die Betriebserlaubnis für eine zweite Gruppe im Obergeschos s und damit zur Betreuung von max. 40 Kindern. Für die Einrichtung einer zweiten Integrationsgruppe werden zwei Erzieherinnen sowie eine Berufspraktikantin (diese auf 2 Jahre) eingestellt. Bis zum Sommer wächst die Anzahl der betreuten Kinder in der oberen Gruppe auf 16 an. Mit Einzug am Linde nhof eröffnete sich die Möglichkeit, die Kinder durch Ergotherapeuten und Logopäden in unseren Räumen betreuen zu lassen. Dadurch war eine enge und interaktive Zusammenarbeit möglich. Heute besteht diese Möglichkeit nur für die Integrationskinder. Im Sommer 1996 sind auch die Außenanlagen fertig gestellt. Rund um das Leben im Kindergarten, wo neben 36 Kindern und zwei Integrationen noch eine weitere Erzieherin und eine Vorpraktikantin hinzugekommen sind, findet einmal im Monat ein Frauentreff und auch ein Gesprächskreis für ausländische Mütter statt, der zum Ziel hat, durch die Verbesserung der Deutschkenntnisse deren Integration zu fördern. Der Verein feiert im Jahr 1997 sein 10jähriges Bestehen. Bei einem „Tag der offenen Tür“ haben Besucher Gelegenheit, die Räumlichkeiten kennen zu lernen und sich über die Kindergartenarbeit zu informieren. In den nächsten Jahren wird das Angebot des Kindergartens um wichtige Inhalte erweitert. So steht nun dem Kindergarten ein Patenzahnarzt zur Seite. Er übt mit den Kindern das Zähneputzen und lädt sie in die zahnärztliche Praxis ein. Auch Elternabende zur Zahngesundheit bereichern die Angebote des Kindergartens. Auf Elternwunsch eingerichtet, dürfen sich die Kinder jeden Freitag auf die musikalische Früherziehung in den Räumlichkeiten der Gemeinde freuen! Auch in den nächsten Monaten sind Veränderungen an der Tagesordnung: Die Einfahrt und er Weg zum Rondell werden gepflastert, eine Markise zum Sonnenschutz und ein Gartenhäuschen für die Spielgeräte angeschafft. Jede Gruppe ist mit drei Mitarbeiterinnen besetzt und der Vorstand entschließt sich zum Mitgliedsbeitritt bei Dakits e. V., dem Dachverband freier Kindertagesstätten. Vorstandsumbildungen finden sanft statt, weil man sich zur Auflage macht, dass nach zwei Jahren nur zwei der mindestens vier Vorstandsmitglieder ausgetauscht werden. Eine kontinuierliche Vorstandsarbeit mit langfristig engagierten Verantwortlichen ist auch für die Zukunft ein günstiger Umstand für die gute Weiterentwicklung des Kindergartens. Obwohl der Kindergarten unabhängig von der Gemeinde arbeitet, werden die Kontakte weiterhin eng geknüpft. Auch die Beteiligung an überregionaler Evangelisch Freikirchlicher Arbeit wird intensiviert, indem erstmalig ein Treffen der Evangelisch Freikirchlichen Kindertagesstätten besucht wird. Die Öffnungszeiten werden den elterlichen Bedürfnissen weiter angepasst und um täglich eine Stunde erweitert (7:30 – 13:30 Uhr). Nach dem Jahrtausendwechsel werden mit dem neuen Vorstand, dem Mitarbeiterteam und einigen Eltern die Konzeption und die Kindergartenordnung im Rahmen eines Wochenend-Workshops überarbeitet. Eine Lärmdämmung wird im oberen Gruppenraum installiert.
Um der Forderung des Jugendamtes der Stadt Kassel nachzukommen, die Beiträge denen der Städtischen Einrichtungen anzunähern, muss der Kindergartenbeitrag von 80,00 auf 105,00 Euro erhöht werden! Alle paar Jahre wird im Rahmen von Teamsupervisionen eine Möglichkeit geboten, für die Mitarbeiter in einigen Sitzungen die Aufgabenbereiche neu zu überdenken und das Miteinander noch besser zu gestalten. Die Renovierung des Außengeländes mit Erneuerung des Sandkastens und An-schaffung der Vogelnestschaukel für die Integrationskinder sind bauliche Projekte dieser Zeit. Es beginnt auch die Zusammenarbeit mit der Schenkelsbergschule, die gemeinsam mit den Leitungen der Kitas in Oberzwehren die Umsetzung des Hessischen Bildungspla-nes zum Ziel hat – der Kindergarten am Lindenhof ist dabei! Wir machen Werbung: Ein neuer Flyer für den Kindergarten wird entworfen und wir bekommen durch Kontakte in der Elternschaft Möglichkeiten, in der Öffentlichkeit präsent zu werden. Jahre der finanziellen Engpässe zwingen zu drastischen Sparmaßnahmen, jedoch können Kündigungen vermieden werden. So kann auch in dieser Zeit die gute pädagogische Arbeit auf Basis christlicher Maßstäbe fortgeführt und intensiviert werden. Auf Anfrage der Eltern nach Mittagsbetreuung darf die Einrichtung ab August einen 3/4 - Tagesbetrieb mit Mittagessen führen. Zunächst bereiten die Erzieherinnen das Essen zu, kurze Zeit später kümmert sich die neu eingestellte Küchenkraft um die Verköstigung der Kinder mit frisch zubereiten Speisen. Das Jahr 2006 ist das Jahr der Reformen und beginnt mit der Überarbeitung der Kindergartenordnung und mündet im Plan, ein Qualitätshandbuch für den Kindergarten am Lindenhof zu erstellen. Auch das soziale Engagement des Kindergartens wird durch die Beteiligung an einer Aktion für krebskranke Kinder in den Städtischen Kliniken wieder deutlich. Gleich im Jahr danach beginnt das Großprojekt Qualitätsmanagement: CPA-Vorstand und Mitarbeiterteam (8 Mitarbeiterinnen) arbeiten in etlichen Sitzungen mit Unterstützung durch Dietmar Nowottka von der christlich geführten Unternehmensberatung „Progressio“ an der Erstellung eines Qualitätshandbuches. Aber nicht nur intern wird vieles getan, auch für die Darstellung nach außen wird an der Planung eines Internetauftritts gearbeitet. Die Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und der Gemeinde kommt in vielen gemeinsamen Veranstaltungen wie Gottesdiensten, Nacht der offenen Kirche oder Gemeindefesten zum Ausdruck. Auch in baulichen Bereichen wird das Gemeinsame größer. Im Dachgeschoss des Kindergartens am Lindenhof wird ein neuer Büroraum eingerichtet. Die gesellschaftlichen Herausforderungen werden immer größer und heute reicht es nicht mehr, nur eine Kinderbetreuung anzubieten. Immer mehr Eltern oder Elternteile suchen Rat und Unterstützung bei den vielfältigen Herausforderungen im Berufs- und Familienleben. Und so sieht die CPA ausgehend von der Initialidee, welche zur Gründung des christlichen Kindergartens geführt hat auch ihren Auftrag darin, im weiteren Umfeld der Kinder zu unterstützen und Hilfen anzubieten. Deshalb beginnen zwei Mitarbeiterinnen mit einer Fortbildung zum Elterncoach mit systemischer Familienberatung und über weitere diakonische Aktivitäten wird schon nachgedacht. Am 20. August 2008 fand die Einweihung der großen neuen Spielgeräte im Außengelände statt und heute läuft die Planung des 100jährigen Gemeinde- und 14jährigen Kindergarten-Jubiläums in den Gemeinderäumen auf Hochtouren.
Gott seid Dank – denn er hat‘s geschaffen!
Christa Meyer-Quast, Heidrun Heise Jürgen Siemon |